Sonntag, 12. Januar 2014

Taufe, Aufnahme und Profess - einige Fragen


Das Fest der Taufe des Herrn im Zusammenhang mit der Ordensgeschichte anzusehen, gibt Anlass, einmal zu fragen, wie es sich denn mit der Entstehung der Ordensnamen in der Geschichte verhält und ab wann sie üblich wurden. Frühe Namensveränderungen sind bei den Päpsten bekannt. Auch ist die Umbenennung des Angelsachsen Winfrid in Bonifatius ein Beispiel solcher Praxis im religiösen Kontext. Doch ab wann haben sich die Klöster regelmäßig einer solchen Tradition bedient? Die Zeremonie des Namenswechsels und die Symbolik von Einkleidung und Profess transportieren im Hintergrund viele theologische Gesichtspunkte, die offenbar eine zeitlich wechselnde Betonung erfuhren. Die bisherige Literatur dazu ist rar.[1] Die heutigen Elemente im Ritus einer schrittweisen Aufnahme in die Klostergemeinschaft bis zur Profess, der Gedanke des Neuanfangs als neuer Mensch, versinnbildlicht im neuen Namen, der Verweis auf die Reinheit und kindliche Unschuld in Form eines weißen Ordenskleids, das Überreichen einer Kerze analog zur Taufkerze, sind ganz klar der Erinnerung an die Taufe gewidmet.

Dass diese Praxis in der symbolträchtigen Fülle heutiger Einkleidungs- und Professfeiern nicht ganz dem Ritus des 12. und 13. Jahrhunderts entspricht, lässt sich vor allem in einem Werk der Gertrud von Helfta nachverfolgen[2]. In ihren Exercitia spiritualia zeichnet sie jedes rituelle Element sowohl der Taufe als auch der Aufnahme ins Kloster, der Nonnenweihe und der Professfeier ihrer Zeit nach und versucht sie so ihren Mitschwestern in Form einer geistlichen Andachtsübung nahezubringen. Für die obige Fragestellung ist hier der Aufnahmeritus von Interesse. Die Kandidatin erhält beim Eintritt ein geistliches Gewand, die Farbe scheint dabei unerheblich zu sein. Die damit verbundenen Anrufungen der Trinität werden in diesem Kontext je Person mit einem besonderen Zeichen erwähnt, dem Vater wird das Licht zugeordnet, dem Sohn die Reinheit, dem Heiligen Geist das Zeichen eines geistlichen Namens[3]. Darin könnte man vielleicht als symbolische Attribute Kerze, Taufkleid und Ordensnamen entdecken. Es fällt überdies auf, dass auch im Kloster in Helfta im 13. Jahrhundert Nonnenweihe und Profess noch zwei voneinander getrennte Feierlichkeiten waren. Dabei betonte man im Ritus dann die Hochzeit mit dem himmlischen Bräutigam mehr als die Taufsymbolik.

Noch ein anderer Gedanke, der in diesem Zusammenhang aufkommt, wäre ein interessantes Forschungsobjekt: Jede Kirche hatte in der Frühzeit ein Taufbecken und hat bis heute einen Taufbrunnen. Jedes Kloster hatte einen Brunnen im Kreuzgang, der möglicherweise auch in rituelle Zeremonien einbezogen war. Während die Mönche den Brunnen nutzten, um ihre Tonsur nachzuschneiden, ist nichts darüber bekannt, wie die Frauen mit ihrer "Frisur" umgingen. Dass aber die langen Haare im Zusammenhang mit der Profess abgeschnitten wurden, ist eine bekannte Tatsache. Noch niemand hat bisher bei den Frauenklöstern die Lage der Brunnen in ihrer Nähe zur Kirche überprüft. Doch mancherorts sind sie der Kirche viel näher als man erwarten würde. Zufall oder Absicht? War der Verlust der Haarpracht bei den Frauen Teil der Zeremonie einer Aufnahme, der Nonnenweihe oder des Professritus? Wann, wo und in welchem Kontext wurde diese Maßnahme vorgenommen, in welcher Form erneuert? Dass es ein feierlicher Moment gewesen sein muss, ist anzunehmen, da sich doch einige aus diesen Haaren erstellte Kunstwerke erhalten haben. Die Nonnen haben die zu diesem Anlass abgeschnittenen Haare also als etwas ihnen Wertvolles aufbewahrt.


[1] Deutschsprachige Literatur zu diesem Thema ist insgesamt selten: Stephan HILPISCH, Die Entwicklung des Profeßritus der Nonnen, Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige 66 (1955) 28-34. Neuester englischsprachiger Beitrag zum Thema: Nancy Bradley WARREN, The Ritual for the Ordination of Nuns, in: Medieval Christianity in practice, hg. von Miri RUBIN (Princeton readings in religions 1, Princeton 2009) 318 - 326.
[2] GERTRUD VON HELFTA, Exercitia spiritualia – Geistliche Übungen. Lateinisch und deutsch, hg. übers. u. komm. von Siegfried RINGLER (Elberfeld 2001).
[3] GERTRUD VON HELFTA, Exercitia spiritualia – Geistliche Übungen. Lateinisch und deutsch, hg. übers. u. komm. von Siegfried RINGLER (Elberfeld 2001) 69.

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