Samstag, 15. März 2014

Wandernde Klosterschriften

Nein, es geht mir hier nicht um den Transfer im Sinne eines Austauschs von Handschriften unter verschiedenen Klöstern, sondern um deren Verbleib über die jeweiligen Zwischenstationen bis heute. Nachdem im Blog Archivalia heute über die Entdeckung einer Medinger Handschrift informiert wird


kam mir der Gedanke, dass viel zu wenig darüber nachgedacht und vielleicht auch viel zu wenig nach Anhaltspunkten gesucht wird, welche Wege die Handschriften von denjenigen Frauenklöstern genommen haben könnten, die bereits im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit aufgelöst wurden. Ich denke da beispielsweise an die im Vergleich nur recht kurz bestehenden Klosterorte Kürnach, Neuhausen, Falkenhagen-Lilienthal, Frauenkron oder Rheintal, deren eventuell heute noch existierende Restbestände an Handschriften hinsichtlich der verstrichenen Zeit viel mehr Nachbesitzer aufweisen könnten. Oder wohin, d.h. auf welchen Wegen, verstreute sich das Gut der vielen nach dem Bauernkrieg und der Reformation aufgehobenen Klöster, das zunächst den jeweiligen Fürsten- und Grafenhäusern zufiel? Eine unsinnige Frage, weil einerseits zu banal, da oberflächlich schon irgendwie bekannt oder andererseits, weil der zu einer gezielten Erforschung von Verbreitungswegen im regionalen Kontext erforderliche Arbeitsaufwand zu hoch wäre, um nur Weniges zu finden? 

Gerade in einer Zeit wie dem ausgehenden 16. Jahrhundert, in der ein hohes Interesse an wertvollem klösterlichem Buchbestand vorhanden war, wäre es sicher spannend, die Stationen mittelalterlicher Bücher aus den Klöstern nachzuvollziehen. Natürlich ist es einfacher, dies an den besser erforschten Bibliotheken der Männerklöster abzulesen und dies analog auf die Frauenklöster zu übertragen. 

Diesbezüglich ist vielleicht auch nicht uninteressant - soweit es noch nachzuverfolgen wäre - wieviel der Buchbestände aufgelöster Frauenklöster des 16. Jahrhunderts sich am Beginn des 19. Jahrhunderts in den Bibliotheken der ehemals zuständigen Männerklöster und in den Bibliotheken anderer Gemeinschaften wiederfand. Der umgekehrte Fall dürfte sicher seltener sein!

Warum beispielsweise und durch wessen Hände gelangte ein 14 Blätter umfassendes Pergament-Manuskript eines Kopialbuches (Copiae Confirmationis Monasterii Wechterswinkel) des 16. Jahrhunderts im Folioformat aus dem unterfränkischen Kloster Wechterswinkel in eine Sammelhandschrift im Bibliotheksbestand der Cornell-University von Ithaca NY, wo es lt. Eingangsstempel seit 1891 unter der (alten) Signatur Mss B61 aufbewahrt wird - heute: Frederick, Holy Roman Emperor (OCLC- Nr. 70797901)?
Natürlich ist es spannend, Archive und Kataloge nach solchen Schriften durchzuforsten. Doch auch mit dem anderen Weg könnte man Entdeckungen machen, nämlich indem man vielleicht durch irgendwelche Zusammenhänge auf Bestände stösst, in denen niemand je nach solchem Material suchen würde.

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