Donnerstag, 24. August 2017

Arde et accende - im Wettstreit biblischer Bilder

Einen verbalen Wettstreit der besonderen Art, ausgetragen mit Feder und Tinte, hat um 1150 der Benediktinerpater Hermann von Tournai gewonnen, indem er in seiner Schrift "Miraculae S. Marie Laudunensis" [1] nicht nur die acht neuen Klostergründungen des Bistums Laon zur Zeit des Bischofs Bartholomäus besonders hervorhebt, sondern darüber hinaus, auf eine Predigt des hl. Bernhard anspielend, ein zisterziensisches Frauenkloster allen Neugründungen des Bistums, also auch denen der Zisterziensermönche vorzieht.
Die fünf neuen Prämonstratenser- und drei neuen Zisterzienserklöster vergleicht er dabei immerhin mit den acht Seligpreisungen des Matthäusevangeliums, was nicht gerade wenig ist, da den so Lebenden ja großer Lohn im Himmel verheißen ist. In Hermanns biblischer Bilderwelt aber ist Platz für noch mehr. Das Besondere lässt sich nämlich noch übertreffen. Dafür sei zunächst ein Blick auf die Predigt Bernhards zum Fest von Johannes dem Täufer geworfen [2], in der er seinen Mönchen den Satz auslegt: Jener war wie eine brennende und leuchtende Lampe. (Joh 5,35), der in der Kurzform Arde et luce! ein geflügeltes Wort in Zisterzienserkreisen ist. In dieser Predigt schreibt Bernhard u.a.: Es gibt nämlich Menschen, die nicht deswegen leuchten, weil sie brennen, sondern eher brennen, um zu leuchten; aber solche Menschen sind gewiss nicht vom Geist der Liebe entbrannt, sondern von eitlem Streben. Und etwas später fährt er fort: Betrachte also den Menschen, der durch die Verkündigung des Engels verheißen (Lk 1,13ff.), durch ein Wunder empfangen und im Mutterleib geheiligt wurde, und bewundere in dem neuen Menschen die neue Glut der Buße.
Hier gibt Bernhard eine Reihe von Stichworten die Hermann von Tournai aufgreift, als er die Lebensweise der Schwestern von Montreuil nach Jes 6 mit dem Bild der Seraphim (Engel) beschreibt, welche,  durch die Glut der Gottesliebe zu wundervollen Taten angeregt, wie glühende Kohlen die Kraft haben, andere zu entzünden. Man stelle sich einen solchen Konvent einmal vor, zumal jene Schwestern ihre Arbeit schweigend und in einfacher Kleidung verrichteten, und ihre ganze optische Außenwirkung wohl wirklich nur beim gesungenen Chorgebet erlebt werden konnte. Das monastische Leben von Montreuil, als Leben der Weltentsagung mit dem Dienst der Engel verglichen, in reine Glut gekleidet und auch noch ansteckend - den Wettstreit haben diese Zisterzienserinnen von damals mit dieser Beschreibung ganz eindeutig gewonnen.
Den Reichtum biblischer Bilder als Lebensmotto in den Namen einiger früher zisterziensischer Frauenkonvente habe ich in der aktuellen Cistercienserchronik (2/2017), die in diesen Tagen erscheint, darzustellen versucht.

[1]  HERMANNUS MONACHUS, De miraculis S. Mariae Laudunensis. PL 156, 551.
[2]  BERNHARD VON CLAIRVAUX, Predigt zum Fest der Geburt Johannes des Täufers. In: Bernhard von Clairvaux.    Sämtliche Werke, lateinisch/deutsch, hg. von Gerhard B. Winkler (Bd. VIII, Innsbruck 1993) 422 - 439.

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